Goodbye Deutsche Bahn! – Es reicht!

Anfang Juli schickte ich die Lufthansa zur Hölle wegen ihres katastrophal schlechten Kundenservice. Keine drei Wochen später kann ich auf die Konkurrenz, die Deutsche Bahn, nur noch genauso laut fluchen. Sieben Stunden brauchte am vergangenen Donnerstag ein guter Freund von mir für eine Reise, die nur eineinhalb Stunden dauern sollte! – 7 Stunden! – Hunderte von Bahnkunden gestrandet im Niemandsland, und das Zugpersonal machte sich aus dem Staub und ließ die Fahrgäste ungerührt im Stich! Die Polizei musste kommen und die aufgebrachte Menge beruhigen. Und das Privatunternehmen Nordwestbahn fuhr dann die von der Deutschen Bahn im Stich gelassenen Passagiere nach Oldenburg!

Hunderte Fahrgäste strandeten am 21.07.2022 in Wüsting vor Oldenburg, nachdem sie aus dem IC von Bremen nach Emden geworfen wurden. Keine Ansage. Keine Ersatzbusse. Und die Bahnangestellten machten sich aus dem Staub.

Es waren mitnichten die lästigen 9-Euro-Ticket Fahrgäste, die hier so schäbig behandelt wurden. Nein, im IC von Bremen nach Emden gilt das 9-Euro-Ticket nicht. Hier waren alles Vollzahler. Und behandelt wurden sie wie das letzte lästige Pack, dessen man sich entledigt, wenn der Zug wegen Problemen im Niemandsland steckenbleibt. Was denkt sich die Deutsche Bahn eigentlich dabei, mit zahlenden Kunden so umzugehen?!

Der skandalöse Ablauf

Der Ablauf kann in den live Tweets unten nachgelesen werden. Hier nur soviel:

Abfahrt in Bremen nach Emden sollte um 11:53 Uhr sein.

Dann hieß es, der IC habe Verspätung und komme um 12:42 Uhr. Eine satte Stunde später!

Abfahrt erfolgte dann tatsächlich erst gegen 12:48 Uhr.

Bereits um 13:14 Uhr, sechsundzwanzig Minuten später, war die Fahrt schon zu Ende. Rund 10 km vor Oldenburg blieb der Zug an der kleinen Bahnstation von Wüsting stehen. Alle mussten aussteigen.

Erst hieß es, es gäbe elektrische Probleme. Es würde „mindestens zwei Stunden“ dauern, bis das behoben sei. Dann erklärte der Zug-Chef, eine Eisenbahnklappbrücke über die Hunte vor Oldenburg habe man für den Schiffsverkehr hochklappen müssen – und nun lasse sich die Brücke nicht wieder absenken.

Seit Jahrzehnten marode und ständiger Auslöser dafür, dass der Zugverkehr auf der Strecke Oldenburg-Bremen zusammenbricht – die Eisenbahnklappbrücke über die Hunte.

Resultat: Kein Zug käme mehr von Bremen nach Oldenburg, und keiner mehr von Oldenburg nach Bremen. Die Fahrgäste müssten nun mit Ersatzbussen, die kommen würden, nach Oldenburg fahren und dort in den IC einsteigen, der in Oldenburg festsäße. Der kehre dann um und fahre zurück nach Emden. Und die Fahrgäste vom steckengebliebenen IC in Oldenburg würden mit den Bussen nach Wüsting gefahren, und in den dortigen IC einsteigen. Der fahre dann zurück nach Bremen.

Lange geschah nichts. Außer, dass noch ein weiterer Zug, ein Regionalexpress, ankam und nun hinter dem stehenden IC hielt.

Als dann endlich ein Bus eintraf, war dieser bereits zur Hälfte voll. Nur eine Handvoll von Wartenden konnte zusteigen. Der Bus fuhr ab. Nichts passierte mehr.

Eine knappe halbe Stunde später erklärte der Zug-Chef den immer noch wartenden, inzwischen sichtlich verärgerten Fahrgästen: „Es wird keine weiteren Busse mehr geben. Sie müssen selbst sehen, wie Sie nach Oldenburg kommen! Tut mir leid.“ Sprachs und verschwand vom Bahnhofsgelände. – Und wurde nie mehr gesehen.

Die aufgebrachten Menschen standen fluchend am Bahnhof von Wüsting und wussten nicht, wie sie nach Oldenburg kommen sollten. In Sekunden waren die wenigen Taxen der Umgebung telefonisch gerufen, besetzt und weg. Alle Versuche, noch irgendein Taxi zu bekommen, scheiterten. Und der letzte reguläre Bus im Nahverkehr nach Oldenburg war weg. In Wüsting fahren Busse nur bis 16:30 Uhr. Ländlicher Raum.

Die Stimmung kochte inzwischen so hoch, dass die Polizei kommen und einschreiten musste. Zwei nicht unbedingt überbordend freundliche aber erkennbar überforderte Polizeibeamte versuchten die hochirritierten Passagiere der Deutschen Bahn zu beruhigen, konnten aber auch nur immer wiederholen: „Wir kümmern uns. Jetzt müssen alle zusammenhalten und freundlich zueinander sein! Der Bürgermeister ist eingeschaltet. Sie werden hier nicht übernachten müssen.“ Doch wie es weitergehen sollte, wussten auch sie nicht.

Von irgendwelchen Mitarbeitern der Deutschen Bahn war an diesem Bahnhof, trotz der Züge die dort nun feststeckten, weit und breit nichts zu sehen. Auch die Zugbegleiterin des IC, die zunächst noch schweigend, als habe sie mit der Deutschen Bahn nichts zu tun, mit ihrem Gepäck in gewisser Entfernung herumstand, war inzwischen – wortlos und sichtlich schlecht gelaunt – gegangen. Die zahlenden Fahrgäste wurden in Wüsting im Stich gelassen.

Kurz vor 17 Uhr – die Reise dauerte inzwischen schon fünf Stunden! – tauchte auf dem Gegengleis ein Zug des privaten Unternehmens Nordwestbahn auf. Die Polizei führte daraufhin die wartende Menge auf die andere Seite der Gleise und ließ sie einsteigen mit den Hinweis, dieser Zug bringe sie nun nach Oldenburg.

Im Gänsemarsch führte die Polizei die verärgerten Fahrgäste auf die gegenüberliegende Seite der Gleise, wo sie in einen Zug des Privatunternehmens Nordwestbahn einsteigen konnten. Nach fast vier Stunden sinnlosen Wartens, weil die Deutsche Bahn sich um die eigenen Gäste nicht kümmerte.

Der Zug der Nordwestbahn platzte angesichts dieser Menschenmassen aus allen Nähten. Dichtgedrängt, wie Sardinen in der Dose, standen die Fahrgäste in den Gängen bis Oldenburg. So eng gedrängt standen sie, dass man nicht einmal ein Telefon aus der Hosentasche ziehen, geschweige denn sich irgendwo festhalten konnte. Ideale Bedingungen aber, um sich mit Covid-19 anzustecken! So soll es gemäß Hygieneplan sein, nicht wahr, Bahnchef Lutz?

In Oldenburg angekommen, kümmerte sich niemand von der Deutschen Bahn um die alleingelassenen Passagiere. Sie mussten selbst zum IC finden, der sie nun nach Leer und Emden bringen sollte.

Um 18:51 Uhr trafen die Fahrgäste endlich in Emden ein. Sieben (!) Stunden nach der geplanten Abfahrt in Bremen. – Für eine Strecke, die normalerweise nur 1 Stunde 32 Minuten dauern sollte!

Sieben Stunden Reise – fünfeinhalb Stunden Verspätung – und alle Termine geplatzt, Dienstausfall, Schaden ohne Ende! Danke für nichts, Deutsche Bahn!

Die Bahn zahlt 1,50 EUR Entschädigung

Das heißt – danke für nichts? Nein, nein. Denn nun gibt es ja üppige Entschädigung von der Deutschen Bahn, die auf ihrer Webseite ihre Bereitschaft bejubelt, den Kunden bei Verspätungen den Ausfall zu ersetzen!

Zwei Seiten Formular muss man ausfüllen, um eine Entschädigung zu beantragen, und diese dann – Porto freimachen! – gemeinsam mit der Bescheinigung über den Zugausfall (die man sich noch schnell beim Zug-Chef holte, bevor er verschwand) nach Frankfurt schicken. Wo allerdings erst einmal nicht viel passieren wird, heißt es doch dort gleich mit warnendem Ausrufezeichen:

Nun ja, aber für eine ordentliche Entschädigung wartet man gerne eine Weile. Warten ist man ja nach dieser Reise mit der Deutschen Bahn gewohnt.

Dann liest man das Kleingedruckte. Vollzahler können bei dieser satten Verspätung mit 50% rechnen, das wären also 13,60 EUR. – BahnCard Inhaber erhalten 10 EUR. Und Inhaber von Zeitkarten im Fernverkehr können sich immerhin noch auf ganze 5 EUR Entschädigung für diese siebenstündige Reise freuen!

Und mein Freund? Nun, der studiert und fährt mit einem Semesterticket. Dafür zahlt die Deutsche Bahn ihm für fünfeinhalb Stunden Verspätung satte 1,50 EUR Entschädigung!

Allerdings kann er sich das Ausfüllen des umfangreichen Formulars sparen, wie die Studentenvertretungen auf ihren Webseiten betonen:

„Hierbei ist jedoch zu beachten, dass Beträge unter 4 € nicht ausgezahlt werden – Ihr müsst also mindestens 3 Verspätungen im Laufe des Semesters sammeln.

Fantastisch. Bei drei fünfeinhalbstündigen Verspätungen im Halbjahr könnte er dann 4,50 EUR Entschädigung beantragen – von der er nur die Portokosten von 1,10 EUR abzuziehen braucht – um dann für die insgesamt 16,5 Stunden erlittenen Verspätungen mit der Deutschen Bahn ganze 3,40 EUR Entschädigung zu erhalten! – Das Ausfüllen von insgesamt sechs Bögen Antragsformulare ganz inklusive.

Das sind „Fahrgastrechte“ über die das Herz jubelt!

Da wundert es nicht, dass die Deutsche Bahn sich eine Dreck darum schert, Verspätungen zu vermeiden, wenn sie nur mit derart lächerlichen Konsequenzen zu rechnen hat!

Und jetzt Herr Wissing?

Und jetzt Herr Lutz?

Die Pressestelle der DB hielt in all den sieben Stunden – zumindest auf Twitter, trotz aller öffentlichen Beschwerden – genauso still und schwieg, wie die Mitarbeiter der Twitter-Servicestelle. Kein Wort von niemandem zu den Hunderten von Fahrgästen, die die DB in Wüsting aus dem IC geschmissen und dann eiskalt stehen gelassen hatte.

Doch am Abend entdeckte ich, dass kurz vor 16 Uhr ein Bahnsprecher gegenüber den lokalen Medien eine Erklärung abgegeben hatte, wonach die Störung mit der Brücke behoben sei. Es seien im übrigen nur „einige Nahverkehrszüge ausgefallen und Fernverkehrszüge weiträumig umgeleitet“ worden.

Zu exakt diesem Zeitpunkt der Erklärung des Bahnsprechers standen noch über hundert gestrandete Fahrgäste eines IC – mithin eines Fernverkehrszuges! – und eines Regionalexpresses verzweifelt am kleinen Bahnhof von Wüsting und wussten nicht, wie sie da wegkommen sollen. Die Bahn kümmerte es nicht. Stattdessen gab der Bahnsprecher falsche Erklärungen raus, die dann, ungeprüft, von den Nachrichtenredaktionen verbreitet wurden. Ein weiterer Skandal.

Denn die Verhältnisse waren ja nicht nur in Wüsting so schlimm. Im 10 Kilometer entfernten Hude ereigneten sich ähnliche Szenen. „In Hude herrscht genauso ein Chaos wie hier“, bemerkte einer der Polizisten, der in Wüsting versuchte, eine Lösung finden. In der Tat, auch in Hude standen Hunderte von Fahrgästen der Deutschen Bahn am Straßenrand und warteten – vergeblich – auf die angekündigten Ersatzbusse. Sie kamen nicht, wie die Nordwestzeitung zu berichten wusste, und die Fahrgäste mussten frustriert ausharren, bis auch für sie der Ersatzzug eintraf.

Am nächsten Morgen endlich reagierte die Twitter-Servicestelle der Bahn und entschuldigte sich dafür, dass der IC2432 „letztendlich in Hude enden“ musste. – Nun, erstens endete er nicht in Hude, sondern im 10 Kilometer entfernten Wüsting, und vor allem wäre eine Entschuldigung vielmehr dafür fällig gewesen, dass man den IC stoppt, die Fahrgäste rausschmeißt und sie dann einfach im Stich lässt. – Dazu aber von der Service-Stelle kein Wort.

Aber, was sollten sie auch sagen? Die unendliche Misere, die man Deutsche Bahn nennt, wird inzwischen fast täglich in den Medien beschrieben. Ausfälle, Verspätungen, Unpünktlichkeit – die Kette von Unerträglichkeiten ist lang und wird länger und länger. Optimisten in der Politik und im Konzern verbreiten, ab 2030 hätte man alles im Griff! – Prima. Es sind ja auch nur lumpige acht Jahre bis dahin! – Realisten dagegen sagen, vor 2035 wird das wohl nichts.

Was für ein kapitales Versagen.

Mit dem Fahrrad ist man schneller

Und hier kommt der Clou: Erst kürzlich war die Lufthansa, weil sie nichts im Griff hat und ihre Flieger nicht fliegen, eine Star Alliance Partnerschaft ausgerechnet mit der Deutschen Bahn eingegangen. Auf dass die gestrandeten Lufthansa-Passagiere nun fröhlich auf die Bahn umsteigen sollten, um ihr Ziel zu erreichen. Nur – die Bahn ist genauso marode und ebenso ein Abbruchunternehmen, das seine Leistungen für das teure Geld, das sie kassiert, nicht erbringt. So dass die gestrandeten Lufthansa-Passagiere nun nahtlos von dem Regen in die Traufe wechseln können – erst bei der Lufthansa hängen bleiben, dann bei der Deutschen Bahn.

Die Bahn als Alternative auf kurzen Flugstrecken? Vor allem auch des Klimaschutzes wegen? Ein Witz der Politik, wenn dann die Bahn so derart versagt, dass die Passagiere sieben Stunden (na gut, exakt 7 Stunden und 3 Minuten!) für die lumpigen 132 km von Bremen nach Emden brauchen!

Das ließ mich fragen, wie lange man denn wohl mit dem Fahrrad gebraucht hätte, um von Bremen nach Emden zu kommen. Und siehe da, das Ergebnis hat es in sich: Gerade einmal 6 Stunden und 53 Minuten!

Das heißt: Mit dem Fahrrad wäre man zehn Minuten schneller in Emden gewesen, als mit dem IC der Deutschen Bahn! – Das dürfte ein neuer Tiefpunkt sein, selbst für dieses marode Bahnunternehmen.

„Nichts klappt auf der Klappbrücke“

Ein bedauerlicher Einzelfall? „Wir bemühen uns …“ und „blablabla …“? Vergessen Sie es! Bedauerlich ist hier nur, dass dieses Versagen eben kein Einzelfall ist, sondern Dauermisere bei der Deutschen Bahn.

So sind die Probleme mit der maroden Huntebrücke vor Oldenburg seit Jahrzehnten bekannt und seit Jahren immer wieder Auslöser für unendlich viele Sperrungen, bei denen die Fahrgäste dann stundenlang nicht weiterkommen. Schon 2007 (also vor 15 Jahren!) berichtete die NWZ unter der kernigen Überschrift „Nichts klappt auf Klappbrücke“ vom um sich greifenden Sarkasmus:

„Was braucht Oldenburg einen Lokführerstreik, wir haben doch unsere Bahnbrücke.

Mal verkantete sich eines der acht Schwungräder in den sogenannten Prüfern der Brücke, dann versagte die Hydraulik, dann die Elektronik, die Zahnstange auf der Südseite der Bahnbrücke ist defekt, neuerdings auch der Riegelverschluss auf der zur Nordseite gelegenen Hälfte, und nun sorgt noch ein kaputtes Steuerelement der Brückenverriegelung auf der Richtung Oldenburg gelegenen Seite der Brücke dafür, dass diese sich gar nicht mehr aufklappen lässt. In der Folge erklärte die Bahn am 12 Juli, nur neun Tage vor dem Debakel diese Woche in Wüsting und Hude: „Die Brücke bleibt zu.“ Was dem Zug-Chef der Deutschen Bahn im IC2432 von Bremen nach Emden offensichtlich in neun Tagen nicht zu Ohren gekommen war, erklärte er doch den Fahrgästen, die Brücke sei geöffnet worden und ließe sich nicht mehr schließen. – Falsch, sie lässt sich gar nicht mehr öffnen! – Wer bei der Bahn arbeitet, weiß weniger.

Dabei hätte er doch wissen müssen, was diesmal das Problem war. Ein Klassiker bei der Deutschen Bahn: Eine Oberleitung über die Brücke war defekt! – Weil es auf dieser Brücke ja noch nicht genug Defekte gibt.

Diese unendliche Posse um eine 1954 erbaute, marode Eisenbahnklappbrücke sorgt dafür, dass inzwischen Tausende von Fahrgästen der Deutschen Bahn in Oldenburg oder Wüsting und Hude steckenblieben, weil die Bahn es nicht in den Griff bekommt.

„Der Zustand der Brücke ist eindeutig unzufriedenstellend und die DB arbeitet gemeinsam mit dem Hersteller unter Hochdruck daran, die Störung zu beseitigen. Die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten bedauern wir“, teilte ein Bahnsprecher auf Nachfrage der NWZ mit. Doch trotz all dieser seit Jahrzehnten dokumentierten Ausfälle der wichtigen Verkehrsader von Bremen über Oldenburg ins Emsland sieht die Bahn weiter keinen Handlungsbedarf:

„Ein Neubau der Brücke ist aufgrund einer derartigen Störung allerdings nicht notwendig. Wir haben in den letzten Jahren in der Absicht, das Bauwerk weiter zu betreiben, die gesamte Steuerungstechnik erneuert. Die Erneuerung der gesamten Klappbrücke ist daher in den nächsten Jahren nicht vorgesehen.“

So alt, dass sie schon unter Denkmalschutz steht, sorgt die Eisenbahnklappbrücke über die Hunte vor Oldenburg immer wieder für Sperrungen der Hauptverkehrsader Bremen-Oldenburg-Emsland. Die Deutsche Bahn stört es nicht, nur die Fahrgäste, die deshalb ständig ihr Ziel nicht wie geplant erreichen. (Foto: Jacek Rużyczka / Wikimedia Commons)

Fahrgäste auf der Strecke können sich also noch viele Jahre lang darauf einstellen, dass ihre Reise kurz vor Oldenburg oder in Oldenburg abrupt zum vorzeitigen Ende kommt und sie Stunden werden warten müssen, bis sie die bezahlte Reise fortsetzen können. Bahn sei Dank! Natürlich ohne, dass die DB Ersatzbusse schickt, denn soweit geht die Liebe zum Fahrgast nicht. Sieben Stunden für 132 Kilometer müssen schon drin sein! Und, hey – für 1,50 EUR Entschädigung können wir uns das leisten!

Man gönnt sich ja sonst nichts, nicht wahr, Herr Lutz?

Back to the car

Ich ertrug die Bahn schon viel Jahre lang, ich ertrage sie länger nicht mehr. Kein Flieger geht, kein Zug kommt an – also auf und hinein ins Auto, wie zu guten alten Zeiten! Scheiß auf das Klima, scheiß auf die Nachhaltigkeit. In Deutschland kommt man nur mit dem Auto ans Ziel! Der Bahn- und Flugverkehr versagt völlig. Und irgendwie muss man ja von A nach B kommen! Das Fahrrad ist auf langen Strecken keine Alternative. Die 6 Stunden 53 Minuten wären ja nur eine Strecke. Und das ohne Gepäck!

Der Fahrgastverband PRO BAHN bringt es auf den Punkt:

„Wenn der Fahrgast beim Start morgens nicht mehr absehen kann, ob und auf welchem Wege er abends wieder nach Hause kommt, wird er sich definitiv gegen die Nutzung des Zugs entscheiden.“

Danke Politik, danke Deutsche Bahn. Danke an alle Vorständler der DB, die sich in den letzten Jahrzehnten Millionengehälter eingesackt haben (Heinz Dürr, Johannes Ludewig, Hartmut Mehdorn, Rüdiger Grube, Richard Lutz) und sich nun einen Dreck darum scheren, was für eine Katastrophe sie hinterließen. Und Danke an all die Verkehrsminister (Günther Krause, Matthias Wissmann, Franz Müntefering, Reinhard Klimmt, Kurt Bodewig, Manfred Stolpe, Wolfgang Tiefensee) und allen voran in den letzten 12 Jahren jene von der CSU (Peter Ramsauer, Alexander Dobrindt, Christian Schmidt, Andreas Scheuer), die Investitionen in die Bahn nicht die Bohne interessierte. Weil, mit Werbung für den Zug, gell, kann man ja keine Wahlen gewinnen. Mit dem Prestigeartikel Auto dagegen läufts!

Ja, dann auffi! Back to the car! Auf dass Deutschland weiterhin Servicewüste bleibe und wir dem Klima auch in Zukunft kräftig einheizen!

Sorry, nächste Generation. Aber, mal ehrlich, wer seid Ihr schon!

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Anmerkung: In einer ersten Version hieß es, dass ein Zug des Privatunternehmens Metronom die Fahrgäste in Wüsting aufnahm und nach Oldenburg brachte. Die Angabe beruhte auf Aussagen von Fahrgästen. Tatsächlich handelte es sich um einen Zug des Privatunternehmens Nordwestbahn.

3 Kommentare zu „Goodbye Deutsche Bahn! – Es reicht!

  1. Es gibt kaum noch Bereiche mehr die funktionieren.
    In Berlin muss ich 2-3 Monate warten um einen Termin bei der Behörde zu bekommen.
    Voraussetzung ist aber das ich schnell genug den Termin – natürlich online – auch überhaupt bekommen und buchen kann.
    Wenn ich im Ausland gefragt werde woher ich komme, ist es mir mittlerweile peinlich meine Herkunft zu nennen.

    1. Interessanter Hinweis, auch wenn er sich hinter einer Paywall befindet. – Dann aber müsste die Bahn erklären, warum sie – laut Fahrgastauskünften – im IC Emden-Bremen noch immer auch definitiv nach dem Stichtag die Warnansage macht: „Achtung. Auf diesem Zug gilt das 9-Euro-Ticket nicht!“ – Kennt die Bahn ihre eigenen Regeln nicht, oder möchte sie verhindern, dass zu viele Fahrgäste für 9 Euro mitfahren? Ich dachte auch, das gelte inzwischen, hörte aber auf explizite Anfrage meinerseits von Fahrgästen: „Nein. Da kommt immer noch diese Warnansage über den Lautsprecher, dass das 9-Euro-Ticket auf diesem IC nicht gültig ist.“

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